Innovation und Tradition im Sachunterricht: Praxis, Forschung, Perspektiven
Wir freuen uns, Zeit & Ort für den 2. internationalen SU:AT-Kongress bekannt geben zu können:
Der Kongress wird vom 31.3.-2.4.2027 in Eisenstadt stattfinden!
Der internationale SU:AT-Kongress 2027 lädt Forscher*innen, Praktiker*innen und Jungforscher*innen (Master und Dissertation) ein, aktuelle Entwicklungen und Forschungsaktivitäten zum Kongressthema „Innovation und Tradition im Sachunterricht: Praxis, Forschung, Perspektiven“ vorzustellen und zu diskutieren.
Die Einreichung der Beiträge des SU:AT -Kongresses 2027 erfolgt ab sofort bis 15. September 2026 online über die ConfTool-Instanz, auf der Sie alle weiteren Informationen zur Einreichung finden.
Förderung einer Sinnbildungskultur im Sachunterricht: Unterstützung wissenschaftlicher
Modellierungspraktiken durch Lehrpraktiken
Prof. Dr. Andrés Acher
Zentrum Sachunterricht, Universität Bielefeld, Deutschland
Die Partizipation an Sinnbildungsprozessen ist ein zentrales Bildungsziel im Sachunterricht. Die Partizipation der Schüler*innen an modellbasierten Untersuchungen verfolgt dieses Ziel aus naturwissenschaftlicher Perspektive und steht im Gegensatz zu Unterrichtsroutinen, in denen die Schüler*innen nur als Konsument*innen wissenschaftlicher Erkenntnisse betrachtet werden. Dies bringt für (angehende) Sachunterrichtslehrer*innen verschiedene Herausforderungen mit sich, da sie sowohl ihre eigene Partizipation als auch die ihrer Schüler*innen in einer ihnen wenig bekannten Sinnbildungskultur hinterfragen müssen. In meinem Vortrag werde ich drei dieser Herausforderungen anhand konkreter Beispiele aufgreifen: Wie kommen die Praktiken der wissenschaftlichen Modellierung einer Sinnbildungskultur im Sachunterricht entgegen? Wie können Lehrpraktiken die Entwicklung von Modellierungspraktiken unterstützen? Wie kann die Professionalisierung der Sachunterrichtsstudierenden durch diese Praktiken unterstützt werden?
Dr. Andrés Acher ist Professor für Sachunterricht mit Schwerpunkt Naturwissenschaftlicher Bildung an der Universität Bielefeld, Deutschland. Seine
Forschung fokussiert sich auf das Lehren und Lernen der wissenschaftlichen Modellierung als wissenschaftliche Praktik. Prof. Acher war Mitglied in vier
europäischen und einer US-amerikanischen Forschungsgruppe, darunter an der Martin Luther-Universität Halle Wittenberg, am Kings‘ College London, der Northwestern University, USA und die Universidad Autonoma de Barcelona, Catalunya. Er nahm an einer Reihe von nationalen und internationalen schulbasierten Projekten teil, an denen sowohl Schüler*innen und Lehrer*innen als auch Familien vom Kindergarten bis zur Hauptschule beteiligt waren. Seine Forschung wurde untereinander von der EU, dem National Science Foundation (USA), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), finanziert.
Religion(en) in der Schule: Von gelebter Tradition zum (neuen) Gegenstand im Sachunterricht
Prof.in tit. did. Dr.in Petra Bleisch
Universität Freiburg
Die gesellschaftliche Bedeutung von Religion hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Während christliche religiöse Traditionen früher vielfach als selbstverständlicher Teil der Lebenswelt von Kindern vorausgesetzt und Bräuche wie etwa Adventskalender, Krippenspiele und Osterbasteleien im Unterricht diskussionslos gepflegt wurden, begegnen Schüler:innen Religion heute in einer religiös und weltanschaulich pluralen Gesellschaft in sehr unterschiedlichen Formen. Damit verändert sich auch die Rolle von Religion in der Schule.
Der Beitrag zeichnet nach, wie Religion im Kontext von Bildungsreformen in der Schweiz von einer gelebten Tradition zu einem Gegenstand schulischer Auseinandersetzung im Sachunterricht geworden sind. Anhand fachdidaktischer Überlegungen wird diskutiert, wie religiöse Phänomene als Teil gesellschaftlicher Wirklichkeit thematisiert werden können, ohne religiöse Positionen der Schüler:innen vorauszusetzen oder einzuüben. Der Beitrag plädiert dafür, Religion als eigenständigen Gegenstandsbereich des Sachunterrichts zu profilieren. Dadurch leistet der Sachunterricht einen wichtigen Beitrag zur Orientierung aller Schüler:innen in einer (religions-)pluralen Gesellschaft.
Dr.in Petra Bleisch ist diplomierte Lehrerin für die Primarstufe. Nach ihrem Studium in Religions- und Islamwissenschaften sowie Zeitgeschichte promovierte sie in Religionswissenschaften zu Lernbiografien von zum Islam konvertierten Schweizerinnen. Von 2012 bis 2025 war sie Dozentin im Bereich Fachdidaktik Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG), bzw. Sachunterricht und Berufsethik sowie Leiterin der Forschungseinheit «Schulwissen: Ecole comme culture» an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Seit der Integration der PH in die Universität Freiburg 2025 ist Petra Bleisch als Lehr- und Forschungsrätin in der Lehrpersonenbildung tätig. Zu ihren Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkten gehören eine kulturwissenschaftlich orientierte Fachdidaktik Religionskunde, diversitätssensibler Unterricht in der Ethikdidaktik sowie diskriminierungskritische Ansätze in der Professionalisierung.
Vom Sachunterricht zum transdisziplinären Lernen – Das Primary Years Programme (PYP) als Weiterentwicklung einer forschenden Lernkultur
Mag.a Sandra Edler, BEd
Volksschule SmartCity Graz
Der Sachunterricht verfolgt seit jeher das Ziel, Kindern einen verstehenden Zugang zu ihrer Lebenswelt zu ermöglichen. Das Primary Years Programme (PYP) der International Baccalaureate Organization (IBO) greift diese Grundidee auf und entwickelt sie zu einer transdisziplinären, kompetenzorientierten und international ausgerichteten Lernkultur weiter. Die Keynote gibt Einblicke in den mehrjährigen Entwicklungsprozess der Volksschule Smart City Graz zur zertifizierten IB World School (2025) und zeigt auf, wie der österreichische Lehrplan mit der Bildungsphilosophie des PYP verbunden wurde. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung eines standortspezifischen Curriculums, die Gestaltung eines Programme of Inquiry sowie die Verankerung des Inquiry-based Learning als pädagogisches Grundprinzip. Anhand konkreter Beispiele aus dem Sachunterricht wird dargestellt, wie die sechs transdisziplinären Themen des PYP naturwissenschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Fragestellungen miteinander verknüpfen und forschendes Lernen fördern. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln dabei nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern erwerben durch die Approaches to Learning (ATLs) Fähigkeiten wie kritisches Denken, Recherchekompetenz, Kommunikation, Zusammenarbeit und Selbstmanagement. Das IB Learner Profile unterstützt zusätzlich die Entwicklung verantwortungsbewusster, reflektierter und weltoffener Persönlichkeiten.
Die Keynote zeigt auf, wie traditionelle Ziele des Sachunterrichts – Lebensweltorientierung, Selbsttätigkeit, Mehrperspektivität und entdeckendes Lernen – im PYP aufgegriffen und um globale Perspektiven, Mehrsprachigkeit sowie Zukunftskompetenzen erweitert werden. Dabei werden Erfahrungen aus der Schulentwicklung, Chancen und Herausforderungen der Implementierung sowie Perspektiven für die Weiterentwicklung des Sachunterrichts im internationalen Kontext vorgestellt.
Mag.a Sandra Edler ist Volksschullehrerin, Leiterstellvertreterin und Schulentwicklungskoordinatorin an der Volksschule Smart City Graz, einer seit 2025 zertifizierten IB World School. Sie begleitet seit Beginn die Entwicklung und Implementierung des Primary Years Programme (PYP) der International Baccalaureate Organization und wirkte maßgeblich an der Entwicklung des standortspezifischen Curriculums sowie des Programme of Inquiry mit. Als Mitglied des Leadershipteams gestaltet sie die pädagogische und organisatorische Schulentwicklung aktiv mit und begleitet die kontinuierliche Weiterentwicklung der PYP-Bildungsphilosophie am Schulstandort. Neben ihrer Ausbildung zur Volksschullehrerin absolvierte sie Ausbildungen zur Waldorfpädagogin, zur Mittelschullehrerin sowie ein Pädagogikstudium an der Karl-Franzens-Universität Graz mit dem Schwerpunkt Weiterbildung und Schulentwicklung. Sie verfügt über die IB-Ausbildungen „Making the PYP Happen“ und „IB Leadership“ und ist ausgebildete Mentorin für Studierende der Pädagogischen Hochschule Steiermark. Arbeits- und Interessensschwerpunkte: Inquiry-based Learning, transdisziplinäres Lernen im Sachunterricht, Schul- und Curriculumentwicklung, Verbindung des österreichischen Lehrplans mit dem IB-Curriculum, International Baccalaureate (Primary Years Programme), Mehrsprachigkeit, MINT-Bildung, professionelle Lerngemeinschaften sowie die Entwicklung zukunftsorientierter Lernkulturen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, wie die traditionellen Bildungsziele des Sachunterrichts durch das Primary Years Programme in einer internationalen, kompetenzorientierten und forschenden Lernkultur weiterentwickelt werden können. Dabei verbindet sie langjährige praktische Erfahrung mit Schulentwicklungsprozessen und der Implementierung innovativer Unterrichtskonzepte im öffentlichen Schulwesen.
Von der Frage «Wer lebte hier?» zur Frage «Wie ist diese Welt geworden?» – Historische Bildung im Anthropozän
Prof. Dr. Christian Mathis
Pädagogische Hochschule Zürich
Die historische Bildung und die Didaktik des Sachunterrichts sind seit Langem vom Konzept der Multiperspektivität geprägt. Angesichts der Herausforderungen des Anthropozäns stellt sich die Frage, wie Multiperspektivität konzipiert werden muss, um gegenwärtige ökologische und gesellschaftliche Transformationen zu verstehen.
Der Beitrag macht einen Vorschlag für eine multiperspektivische Bildung, die den Herausforderungen des Anthropozäns Rechnung trägt, indem sie relationale Verflechtungen, mehr-als-menschliche Akteur:innen und Fragen gemeinsamer Zukunftsgestaltung in den Mittelpunkt rückt. Dabei wird der Blick auf Prozesse gerichtet, in denen Bedeutungen, Beziehungen und Welten fortlaufend hervorgebracht und verändert werden.
Anhand einer Vignette zur Erkundung einer mittelalterlichen Burgruine durch Schüler:innen des Anfangsunterrichts wird gezeigt, wie Fragen wie «Wer lebt heute hier?» oder «Was haben Menschen gemacht, dass das nun so ist?» historische Sinnbildung mit Fragen nach Verantwortung, Gemeinwohl und Zukunft verbinden. Historische Bildung wird damit zu einer Praxis der gemeinsamen Reflexion darüber, wie Welten entstanden sind, sich verändern und gestaltet werden können.
Dr. Christian Mathis erwarb zuerst das Primarlehrdiplom (PH Luzern). Nach ein paar Jahren als Lehrer studierte er Geschichte und Pädagogik/Pädagogische Psychologie an der Universität Fribourg (lic. phil.) und erwarb dort das Gymnasiallehrdiplom. Er promovierte in Geschichte und ihrer Didaktik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (D). Ab 2013 war er Professor für Didaktik des Sachunterrichts an der PH FHNW, seit 2017 ist er Professor für Didaktik der Geschichte und Leiter der Forschungsgruppe Didaktiken der Gesellschaftswissenschaften an der PH Zürich. Er lehrt und forscht zur historischen Bildung in Kindergärten, Schulen, Lehrpersonenbildung, Museen, öffentlicher Geschichts- und Erinnerungskultur, zum Philosophieren mit Kindern und zur Didaktik des Sachunterrichts.
Die Anmeldung zur Teilnahme am Kongress erfolgt über die Plattform „ConfTool“ und ist ab 6.7.2026 geöffnet.
6.7.2026 bis 15.02.2027 (Early Bird) / 16.02.2027 bis 28.3.2028.2025 (Standard)
Kosten Early Bird/ Standard
Vollzahler*innen € 1oo,- /€ 130,-
Praktiker*inner/Lehrer*innen € 40,- / € 60,-
Studierende (Vollzeit) € 20,- / € 30,-
Vollzahler*innen sind Personen, die ein Beschäftigungsverhältnis an Hochschulen haben.
Leitungsteam:
Prof. in Mag.a Eva Freytag, BEd | Pädagogische Hochschule Steiermark
Prof.in Mag.a Dr.in Karin Hecke | Private Pädagogische Hochschule Augustinum
HS-Prof. Dr. Stefan Meller, BEd BA MA | Private Pädagogische Hochschule Burgenland
HS-Prof. Mag. Dr. Bernhard Schmölzer | Pädagogische Hochschule Kärnten
Tagungsort ist Eisenstadt – in den Räumlichkeiten der
Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland
Thomas-Alva-Edison-Straße 1
7000 Eisenstadt
KONTAKT
tel: +43 (0) 2682 24817
fax: +43 (0) 2682 24817 – 10
mail: office(at)ph-burgenland.at
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